- Geburtsdatum: 03.06.1907
- Geburtsort: Bamberg
- Sterbedatum: 19.05.1933
- Sterbeort: Dachau
- Staatsbürgerschaften: -
Biografie
Wilhelm „Willy“ Aron wurde am 3. Juni 1907 in Bamberg geboren. Er stammte aus einer deutsch-jüdischen Familie. Sein Vater Albert Aron war Justizrat. Willy Aron blieb das einzige Kind der Familie und wuchs in einem bürgerlichen, weitgehend säkularen Umfeld auf.
Schulzeit in Bamberg
Von 1916 bis 1925 besuchte Willy Aron das damalige Neue Gymnasium in Bamberg.
Frühes politisches Engagement
Schon als Jugendlicher interessierte sich Willy Aron für soziale und politische Fragen. Mit 14 Jahren trat er 1921 der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) bei und engagierte sich dort zunehmend aktiv. Später war er Funktionär der Organisation. Außerdem engagierte er sich im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Diese republikanische Organisation setzte sich in der Weimarer Republik für die demokratische Staatsordnung ein und stellte sich gegen die zunehmende politische Gewalt extremistischer Gruppen. Aron gehörte in Bamberg zu den aktiven Mitgliedern.
Seine jüdische Herkunft war damit nur ein Teil seiner späteren Gefährdung. Er war zugleich ein öffentlich bekannter politischer Gegner der Nationalsozialisten.
Studium und juristische Laufbahn
Nach seinem Abitur begann Aron 1925 ein Studium der Rechtswissenschaften. Er studierte zunächst in Würzburg, später in Erlangen und München. Nach dem Studium kehrte er nach Bamberg zurück und arbeitete dort als Gerichtsreferendar.
Auch während seiner Studienzeit blieb er politisch aktiv. In den Semesterferien hielt er unter anderem Vorträge und unterstützte die Bildungsarbeit innerhalb der sozialistischen Arbeiterjugend.1932 beteiligte er sich außerdem an der juristischen Verteidigung von Mitgliedern des Reichsbanners, die nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Nationalsozialisten festgenommen worden waren. Dabei arbeitete er unter anderem mit dem später bekannten FDP-Politiker und Juristen Thomas Dehler zusammen.
Gegner des Nationalsozialismus
Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 äußerte Aron öffentlich die Vermutung, die Nationalsozialisten könnten selbst hinter dem Brand stehen. Diese Äußerung machte ihn zusätzlich angreifbar. Zu diesem Zeitpunkt war er den Nationalsozialisten aufgrund seines politischen Engagements ohnehin bereits bekannt. Kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme begann auch in Bamberg die Verfolgung politischer Gegner. Im März 1933 wurden dort Vertreter von KPD und Reichsbanner festgenommen, unter ihnen Willy Aron.
Verhaftung und Konzentrationslager Dachau
Aron wurde zunächst in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Dieser Begriff war Teil der nationalsozialistischen Sprache und hatte mit tatsächlichem Schutz nichts zu tun. Er ermöglichte es dem Regime, politische Gegner ohne reguläres Gerichtsverfahren festzuhalten.
Am 15. Mai 1933 wurde Willy Aron in das kurz zuvor errichtete Konzentrationslager Dachau gebracht.Dort wurde er von SS-Angehörigen schwer misshandelt. Am 19. Mai 1933 starb er an den Folgen dieser Gewalt. Er war erst 25 Jahre alt.Damit gilt Willy Aron als erstes Bamberger Opfer, das im Konzentrationslager Dachau ums Leben kam, und als eines der frühen Opfer des nationalsozialistischen Terrors überhaupt.
Verfolgung seiner Familie
Auch seine Eltern wurden später Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung.Albert und Bertha Aron wurden 1942 aus Bamberg in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und später in Treblinka ermordet.Damit zeigt die Geschichte der Familie Aron auch die Entwicklung der nationalsozialistischen Verfolgung:
Bei Willy Aron begann sie bereits unmittelbar nach der Machtübernahme 1933 mit der gewaltsamen Ausschaltung eines politischen Gegners. Wenige Jahre später richtete sich die systematische Verfolgung gegen seine gesamte Familie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft.
Erinnerung an Willy Aron
Nach 1945 wurde in Bamberg zunehmend an Willy Aron erinnert.
Heute tragen unter anderem Straßen seinen Namen. 2002 wurde an seiner früheren Ausbildungsstätte im Bamberger Justizgebäude eine Gedenktafel angebracht. 2003 entstand die Willy-Aron-Gesellschaft Bamberg, die sich mit seiner Geschichte und mit Widerstand gegen den Nationalsozialismus beschäftigt.
Vor dem früheren Wohnhaus der Familie Aron in der Luitpoldstraße 32 wurden Stolpersteine verlegt. 2016 wurde im Bamberger Harmoniegarten außerdem ein Mahnmal für Willy Aron, Hans Wölfel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg errichtet. 2023 erhielt ein Saal des Oberlandesgerichts Bamberg seinen Namen
