- Geburtsdatum: 22.02.1923
- Geburtsort: Mannheim
- Sterbedatum: 27.03.1945
- Sterbeort: KL Dora-Mittelbau
- Staatsbürgerschaften: Deutsch
Biografie
Günther Weinberg wurde am 22. Januar 1923 in Mannheim geboren. Er war deutscher Staatsangehöriger und jüdischen Glaubens. Seine Eltern waren der Kaufmann Bruno Weinberg, geboren am 25. Mai 1888 in Lonnerstadt, und Else (Elsa) Weinberg, geborene Spieß. Sie hatten am 2. Februar 1922 in Hähnlein geheiratet. Seine jüngere Schwester Rosi wurde am 5. August 1926 in Mannheim geboren.
Günthers Vater arbeitete bis 1930 als Personalchef des Kaufhauses Hirschland in Mannheim und war anschließend als Handelsvertreter tätig. Während der Novemberpogrome wurde Bruno Weinberg am 10. November 1938 verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau gebracht. Dort wurde er schwer misshandelt. Am 5. Dezember 1938 wurde er entlassen, starb jedoch vier Tage später, am 9. Dezember 1938, an den Folgen der Misshandlungen in Mannheim.
Am 14. November 1939 gelang Günthers Schwester Rosi die Flucht nach Palästina. Günther selbst blieb in Deutschland.
Ausbildung und Aufenthalt in jüdischen Arbeitslagern
Im Jahr 1940 befand sich Günther Weinberg zur Hachschara auf Gut Skaby in Friedersdorf. Die Hachschara diente der Vorbereitung jüdischer Jugendlicher auf die Auswanderung nach Palästina, insbesondere durch eine praktische Ausbildung. Noch im selben Jahr wechselte Günther in das Hachschara-Lager Polenzwerder bei Eberswalde.
Währenddessen wurde seine Mutter am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion gemeinsam mit Tausenden weiteren Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Auch Günthers Großvater Robert Weinberg wurde aus einem jüdischen Alters- und Pflegeheim in Mannheim nach Gurs verschleppt. Er starb am 22. Mai 1941 im Lager Récébédou in Frankreich. Nach der Auflösung des Hachschara-Lagers Polenzwerder wurde Günther am 30. Juni 1941 im Lager Paderborn angemeldet.
Dort befand sich am Grünen Weg 86 ein jüdisches Umschulungs- und Einsatzlager, dessen Einrichtung auf einem Vertrag vom 23. Juni 1939 zwischen der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und der Stadt Paderborn beruhte. Am 5. Juli 1941 wurde die Auflösung der Hachschara-Lager behördlich angeordnet. Das Lager in Paderborn wurde anschließend als „Jüdisches Arbeitseinsatzlager Paderborn“ bezeichnet. Günther Weinberg blieb dort bis zur Auflösung des Lagers im März 1943.
Deportation nach Auschwitz
Im Februar 1943 begann die reichsweite sogenannte Fabrikaktion, bei der jüdische Menschen, die noch in Arbeitslagern oder kriegswichtigen Betrieben beschäftigt waren, verhaftet und deportiert wurden. Am 27. Februar 1943 ordnete Wilhelm Pützer, Leiter des Judenreferats der Gestapo-Außendienststelle Bielefeld, die Auflösung des jüdischen Arbeitseinsatzlagers Paderborn an. Die Insassen sollten bis zum 1. März nach Bielefeld gebracht werden. Die Polizei bewachte das Lagertor, um Fluchtversuche zu verhindern.
Am 1. März 1943 wurden die jüdischen Lagerinsassen mit der Bahn von Paderborn nach Bielefeld transportiert. Dort brachte man sie in das Sammellager im Saal der Gesellschaft „Eintracht“ am Klosterplatz. In der Nacht vom 1. auf den 2. März wurden die Gefangenen zum Bielefelder Güterbahnhof gebracht und in Eisenbahnwaggons verladen.
Der ehemalige Lagerinsasse Erwin Angress berichtete später, dass insgesamt 99 jüdische Lagerinsassen aus Paderborn nach Bielefeld transportiert worden seien. Von ihnen hätten nur neun Menschen überlebt. Am 2. März 1943 begann der Transport nach Auschwitz. Die Fahrt führte über Hannover, Erfurt und Dresden. Die Gefangenen verbrachten etwa 40 Stunden in geschlossenen Güterwaggons. Am 3. März 1943 erreichte der Transport Auschwitz. Nach der Ankunft erfolgte die Selektion der Deportierten.
Günther Weinberg wurde als Häftling registriert und erhielt die Häftlingsnummer 105058. Er wurde zum Aufbau des IG-Farben-Werkes Buna-Monowitz eingesetzt. Das Kalendarium von Auschwitz dokumentiert für diesen Tag die Einlieferung von 535 Männern und 145 Frauen als Häftlinge. Die übrigen Deportierten des dort verzeichneten Transports wurden ermordet.
Todesmarsch und Konzentrationslager Mittelbau-Dora
Günther Weinberg überlebte die Haft in Auschwitz bis zur Räumung des Lagers im Januar 1945. Am 18. Januar 1945 musste er einen etwa 80 Kilometer langen Todesmarsch von Auschwitz nach Gleiwitz antreten. Der ehemalige Häftling Isidor Philipp berichtete, dass Menschen, die während des Marsches vor Erschöpfung zusammenbrachen oder sich hinlegten, von SS-Männern erschossen wurden. Von Gleiwitz aus wurden die Häftlinge in offenen Kohlewaggons bei Temperaturen von bis zu minus 15 Grad durch Polen, die Tschechoslowakei und Österreich zurück nach Deutschland transportiert.
Am 29. Januar 1945 erreichte Günther Weinberg das Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen. Dort mussten Häftlinge unter anderem in der Rüstungsproduktion, insbesondere bei der Herstellung der V2-Raketen, arbeiten. Günther erhielt die Häftlingsnummer 108992.
Noch am Tag seiner Ankunft wurde er in den Krankenbau des Konzentrationslagers aufgenommen. Als Diagnose wurde „Pleuritis sinistra“, eine linksseitige Rippenfellentzündung, vermerkt.
Am 1. März 1945 findet sich in seinen Unterlagen der Eintrag „Entlassen“. Am 27. März 1945 wurde er erneut auf einer Transportliste für den Häftlingskrankenbau mit der Diagnose „AKS“ aufgeführt.
Tod am 29. März 1945
Günther Weinberg starb am 29. März 1945 im Krankenbau des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora im Alter von 22 Jahren.
Als offizielle Todesursache wurde „Ruhr“ angegeben. Die Quelle weist darauf hin, dass auch eine Ermordung durch eine Phenolinjektion möglich sei, da im Lager nicht gehfähige Häftlinge auf diese Weise getötet wurden. Ob dies tatsächlich bei Günther Weinberg geschah, ist nicht belegt. Sein Tod ereignete sich weniger als zwei Wochen vor der Befreiung des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora durch amerikanische Soldaten am 11. April 1945. Auch Günthers Mutter Else Weinberg überlebte die nationalsozialistische Verfolgung nicht. Nach ihrer Deportation über Gurs und Drancy nach Auschwitz wird ihr Tod in der neu hinzugefügten Quelle auf den 31. Januar 1945 datiert.
Seine Schwester Rosi überlebte durch ihre Flucht nach Palästina. Sie trug später den Nachnamen Badrian und lebte in Israel.
- Günther Weinbergs Schicksal wurde in verschiedenen historischen Dokumentationen festgehalten.
- Am 5. April 1990 erstellte Alfred Ohnhaus, ein ehemaliger Mitbewohner des Paderborner Lagers, ein Gedenkblatt (Page of Testimony) für ihn.
- Am 11. März 2010 reichte seine Schwester Rosi Badrian weitere Gedenkblätter für Mitglieder der Familie Weinberg bei Yad Vashem ein. Sein Lebensweg ist außerdem in Unterlagen des Bundesarchivs, der Arolsen Archives und in historischen Arbeiten über die jüdischen Hachschara-Lager dokumentiert.
