- Geburtsdatum: 03.10.1874
- Geburtsort: Tauberbischofsheim
- Sterbedatum: 1942
- Sterbeort: Nexon
- Staatsbürgerschaften: -
Biografie
Max Heymann gehört zu den bedeutenden jüdischen Kaufleuten der Stadt Hof in Oberfranken. Sein Lebensweg steht exemplarisch für den Aufstieg jüdischer Unternehmer im Kaiserreich und in der Weimarer Republik sowie für deren systematische Entrechtung, wirtschaftliche Vernichtung und Verfolgung während der NS-Zeit.
Herkunft und Familie
Max Heymann wurde am 27. Mai 1882 in Tauberbischofsheim geboren. Er war das dritte Kind des Pferdehändlers Samuel Heymann und seiner Frau Nanny, geborene Rosenfeld. Die Familie stammte aus dem jüdischen Bürgertum Süddeutschlands.
Am 19. März 1912 heiratete er Eleonore („Ella“) Kuhn, die am 14. März 1886 in Haßloch in der Pfalz geboren worden war. Sie war die Tochter von Moses und Pauline Kuhn. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor:
- Siegfried Heymann (*1916)
- Walter Heymann (*1923)
Unternehmerischer Aufstieg in Hof
Im Jahr 1912 übernahm Max Heymann das Schuhgeschäft „Ludwig Schloß“ in der Lorenzstraße 7 in Hof. Das Geschäft entwickelte sich erfolgreich und machte ihn zu einem angesehenen Kaufmann der Stadt.
1919 eröffnete er zusätzlich eine Schuhmacherei. Gleichzeitig engagierte er sich stark im wirtschaftlichen Leben der Stadt und wurde Vorsitzender der Vereinigung der Schuhwarenhändler in Hof und Umgebung.
In den 1920er Jahren gehörte Max Heymann zu den bekannten Geschäftsleuten Hofs. Er war gesellschaftlich integriert und engagierte sich auch im Wohlfahrtsausschuss des Hofer Bezirksfürsorgeverbandes. Zeitzeugen beschrieben ihn als freundlichen und hilfsbereiten Menschen.
Verfolgung durch das NS-Regime
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderte sich die Situation grundlegend.
Jüdische Geschäfte wurden Ziel organisierter Boykottmaßnahmen. Auch Max Heymanns Unternehmen geriet zunehmend unter Druck. Die wirtschaftliche Existenz der Familie wurde systematisch zerstört. Zwischen 1933 und 1936 führten Boykotte, Ausgrenzung und politische Schikanen zum wirtschaftlichen Ruin des Unternehmens. Schließlich musste das Geschäft geschlossen werden.
Nachdem ihm die wirtschaftliche Grundlage entzogen worden war, arbeitete Max Heymann als Synagogendiener der jüdischen Gemeinde Hof. Die Familie wohnte in dieser Zeit in unmittelbarer Nähe der Synagoge in der Hallstraße 9.
Während der Reichspogromnacht im November 1938 wurde Max Heymann verhaftet. Seine Wohnungseinrichtung wurde verwüstet und zerstört. Die Pogromnacht markierte einen weiteren Wendepunkt in der Verfolgung der Familie.
Fluchtversuche und Zerreißen der Familie
Der älteste Sohn Siegfried konnte Deutschland rechtzeitig verlassen. Am 23. Dezember 1936 wanderte er mit nur sehr geringen finanziellen Mitteln nach New York aus und entging damit der späteren Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten.
Die übrige Familie blieb zunächst in Deutschland.
1939 mussten Max und Ella Heymann Hof verlassen und nach Mannheim ziehen. Dort wurden sie in ein sogenanntes „Judenhaus“ eingewiesen, in dem mehrere jüdische Familien zwangsweise zusammenleben mussten. Zu den Mitbewohnern gehörten auch Ellas Schwester Elisabeth Stern, deren Ehemann Wilhelm sowie deren Tochter Lore.
Deportation nach Gurs
Im Oktober 1940 wurde die Familie Heymann im Rahmen der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion deportiert. Diese Aktion betraf die jüdische Bevölkerung Baden-Württembergs und der Saarpfalz.
Max, Ella und Walter Heymann wurden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich verschleppt. Die Lebensbedingungen dort waren katastrophal. Hunger, Krankheiten, mangelnde Hygiene und Überbelegung prägten den Lageralltag.
Tod im Exil
Max Heymann überlebte die Lagerbedingungen nur knapp zwei Jahre.
Er starb am 29. November 1942 im Internierungslager Nexon in Frankreich im Alter von 60 Jahren. Sein Tod erfolgte fern seiner Heimat, getrennt von seinem Sohn Siegfried und inmitten der Verfolgung, die seine Familie zerstört hatte.
Das Schicksal seiner Familie
Walter Heymann
Der jüngere Sohn Walter wurde nach seiner Zeit in Gurs zunächst im Lager Les Milles interniert und später in das Sammellager Drancy bei Paris gebracht. Im August 1942 wurde er nach Auschwitz deportiert. Dort starb er am 21. Dezember 1943 im Alter von nur 20 Jahren.
Eleonore („Ella“) Heymann
Ella Heymann überlebte die Internierung. Nach Kriegsende wurde sie in einem französischen Auffanglager von alliierten Truppen befreit. Anschließend emigrierte sie in die Vereinigten Staaten und wurde dort mit ihrem Sohn Siegfried wiedervereint.
Siegfried Heymann
Siegfried blieb während der gesamten NS-Zeit in den USA und überlebte den Holocaust im Exil.
Bedeutung
Max Heymann war weit mehr als ein erfolgreicher Schuhhändler. Er war ein angesehener Bürger, Unternehmer, Familienvater und engagiertes Mitglied der Hofer Stadtgesellschaft. Sein Schicksal zeigt beispielhaft, wie jüdische Bürger zunächst wirtschaftlich ausgegrenzt, anschließend entrechtet, vertrieben und schließlich vernichtet wurden.
Während sein älterer Sohn durch die rechtzeitige Emigration überleben konnte, verloren Max Heymann und sein jüngerer Sohn Walter ihr Leben infolge der nationalsozialistischen Verfolgung. Die Geschichte der Familie Heymann erinnert heute an die jüdische Geschichte der Stadt Hof und an die Menschen, deren Leben und Zukunft durch das NS-Regime zerstört wurden.
Galerie
Dateien
- Max Heymann (31,42 KB)
