Otto Bamberger – Kunstmäzen, Designer und Pazifist

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Zur Person

  • Geburtsdatum: 18.05.1885
  • Geburtsort: Mitwitz
  • Sterbedatum: 20.09.1993
  • Sterbeort: Baden-Baden
  • Staatsbürgerschaften: -

Biografie

Otto Bamberger wurde am 18. Mai 1885 im oberfränkischen Mitwitz (Landkreis Kronach) in eine wohlhabende jüdische Familie geboren. Obwohl die Familie jüdische Wurzeln hatte, lebte sie weitgehend säkular. Bildung, Kultur und Weltoffenheit prägten seine Kindheit. Schon früh war vorgesehen, dass er gemeinsam mit seinem Onkel und später seinen Brüdern das Familienunternehmen D. Bamberger in der Korbstadt Lichtenfels übernehmen sollte. Otto Bamberger zählt zu den bedeutendsten Unternehmerpersönlichkeiten der fränkischen Korbindustrie und war zugleich einer der bedeutendsten deutschen Kunstmäzene seiner Zeit.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung sammelte Otto Bamberger während mehrerer Auslandsaufenthalte, unter anderem in England und Frankreich, Erfahrungen im internationalen Handel. Diese Reisen erweiterten seinen Horizont und stärkten seinen modernen, kosmopolitischen Blick auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Im Alter von etwa 25 Jahren trat Otto Bamberger in das Familienunternehmen ein, das sich zu einem der größten deutschen Hersteller von Korbwaren und Holzspielwaren entwickelte. Unter seiner Leitung wurde der Betrieb weiter ausgebaut. Er ließ eigene Schreinereien errichten, setzte auf hochwertiges Design und arbeitete eng mit Vertretern des Bauhauses zusammen. Das Unternehmen D. Bamberger entwickelte sich zu einem der wichtigsten Industriepartner des Weimarer und später des Dessauer Bauhauses. Es fertigte Möbel und Einrichtungsgegenstände nach Entwürfen führender Bauhaus-Gestalter und trug maßgeblich dazu bei, deren Ideen in die industrielle Serienfertigung zu überführen. Otto Bamberger gilt als größter Förderer und Auftraggeber des Weimarer und Dessauer Bauhauses. Das von ihm bewohnte „Sonnenhaus“ in Lichtenfels gilt als das einzige bekannte Wohnhaus, dessen vollständige Inneneinrichtung vom Bauhaus entworfen und ausgeführt wurde.

Am 24. Dezember 1913 heiratete er die Fabrikantentochter Henriette („Jetta“) Wolff. Aus der Ehe gingen die beiden Kinder Ruth und Klaus Philipp Bamberger hervor. Die Familie lebte in der Villa „Sonnenhaus“ in der Kronacher Straße in Lichtenfels. Das ursprünglich 1914 errichtete Haus ließ Otto Bamberger 1924 vollständig vom Bauhaus-Innenarchitekten Erich Dieckmann neu gestalten und einrichten. Die Villa entwickelte sich zu einem kulturellen Treffpunkt und wurde zu einem lebendigen Ort des Austauschs zwischen Kunst, Design und Unternehmertum.

Neben seiner Tätigkeit als Unternehmer war Otto Bamberger ein bedeutender Kunstsammler, Mäzen und Förderer modernen Designs. Seine Sammlung umfasste Werke des deutschen Expressionismus und anderer bedeutender Künstler, darunter Ernst Barlach, Max Beckmann, Marc Chagall, Ernst Ludwig Kirchner und Alfred Kubin. Kubin war zudem häufiger Gast im Hause Bamberger. Gleichzeitig galt Otto Bamberger als sozial engagierter Unternehmer, der sich für faire Arbeitsbedingungen und eine bessere Bezahlung seiner Beschäftigten einsetzte. Seine politische Überzeugung spiegelte sich auch in seiner Unternehmensführung wider. Für ihn gehörten wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung untrennbar zusammen. Das Schicksal seiner einzigartige Kunstsammlung ist bis heute nicht ausreichend geklärt.

Otto Bamberger vertrat seine politischen Überzeugungen auch öffentlich. In einem 1919 veröffentlichten Leserbrief verteidigte er seine Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Darin bekannte er sich zur parlamentarischen Demokratie, lehnte revolutionäre Gewalt und Militarismus entschieden ab und betonte, dass seine politische Haltung weder im Widerspruch zu seiner unternehmerischen Tätigkeit noch zu seiner Verantwortung gegenüber seinen Beschäftigten stehe. Er verstand sich als überzeugter Demokrat und Pazifist.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 änderte sich das Leben der Familie grundlegend. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung als Sozialdemokrat wurde Otto Bamberger verfolgt. Während einer Geschäftsreise nach Frankfurt am Main nahm ihn die SA in sogenannte „Schutzhaft“. Während der einwöchigen Haft erlitt er schwere körperliche und seelische Misshandlungen. Kurz nach seiner Freilassung starb Otto Bamberger am 20. September 1933 im Alter von nur 48 Jahren an den Folgen dieser Misshandlungen sowie an einem Herzinfarkt. Er gehörte damit zu den frühen Opfern des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland.

Nach seinem Tod setzte sich die Verfolgung seiner Familie fort. Im Zuge der nationalsozialistischen Entrechtung wurde sie enteignet und aus ihrer Heimat verdrängt. 1938 verwüsteten Nationalsozialisten die Villa in Lichtenfels, zerstörten große Teile der Einrichtung und warfen Teile der wertvollen Bibliothek auf die Straße. Im selben Jahr wurde das Unternehmen D. Bamberger im Zuge der sogenannten „Arisierung“ zwangsweise enteignet und an andere Eigentümer übertragen. Auch der größte Teil der bedeutenden Kunstsammlung wurde von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und geraubt.

Den Kindern Ruth und Klaus gelang schließlich die Flucht in die USA. Ruth leitete dort viele Jahre einen jüdischen Kindergarten und engagierte sich später für die Förderung geistig behinderter Kinder. Klaus, der sich später Claude P. Bamberger nannte, gründete nach dem Zweiten Weltkrieg in New Jersey ein erfolgreiches internationales Unternehmen.

Ein kleiner Teil der geraubten Kunstsammlung konnte 1945 gerettet werden. Ein Cousin der Familie, der als US-Besatzungsoffizier nach Lichtenfels kam, stellte die noch im Rathaus gelagerten Gemälde und weiteren Kunstwerke sicher und bewahrte sie vor dem endgültigen Verlust.

Das Schicksal Otto Bambergers steht beispielhaft für die Verfolgung jüdischer Unternehmer während der Zeit des Nationalsozialismus. Sein Leben zeigt, wie wirtschaftlicher Erfolg, gesellschaftliche Verantwortung, kulturelles Engagement und Innovationsgeist durch Hass, Ausgrenzung und politische Gewalt zerstört wurden. Zugleich bleibt sein Wirken als Unternehmer, Kunstmäzen, größter Förderer und Auftraggeber des Bauhauses sowie überzeugter Demokrat und Pazifist bis heute ein bedeutender Teil der deutschen Wirtschafts-, Kultur- und Designgeschichte.

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