- Geburtsdatum: 20.11.1889
- Geburtsort: Colmberg
- Sterbedatum: 04.11.1982
- Sterbeort: Nürnberg
- Staatsbürgerschaften: -
Biografie
Karl Amson Joel wurde 1889 in der mittelfränkischen Ortschaft Colmberg bei Ansbach geboren und ist der Großvater des weltberühmten Musikers Billy Joel.
1928 gründete Karl Amson Joel, gemeinsam mit seiner Frau Meta, die „Karl Joel Wäsche- und Hausratversand KG“ in Nürnberg. Ein Versandhandel für Haushaltstextilien und Bekleidung. Das Unternehmen war für seine Zeit innovativ: Hochwertige Wäsche und Textilien wurden direkt per Post an Kunden verschickt. Das Versandgeschäft entwickelte sich schnell zu einem großen Erfolg und gehörte bald zu den bedeutendsten Versandhäusern Deutschlands, hierdurch wurde Karl Amson Joel zu einem der erfolgreichsten, jüdischen Unternehmer.
Mit der Machtübernahme Adolf Hitlers im Jahr 1933 verschlechterte sich die Situation für jüdische Unternehmer dramatisch. In Nürnberg wurde Karl Joel zunehmend Ziel antisemitischer Angriffe und Boykottmaßnahmen. Der fränkische NS-Gauleiter Julius Streicher griff ihn in seinem Hetzblatt „Der Stürmer“ wiederholt direkt an und bezeichnete ihn unter anderem als „Henker des deutschen Mittelstandes“. Um den zunehmenden Anfeindungen zu entgehen, verlegte Karl Joel den Hauptsitz seines Unternehmens 1934 von Nürnberg nach Berlin.
In Berlin florierte das Geschäft weiter. Das Unternehmen expandierte und wurde zu einem der größten Versandhäuser Deutschlands. 1938 wurde sein Wert auf rund 11 Millionen Reichsmark geschätzt. Doch im selben Jahr wurde Karl Joel im Zuge der nationalsozialistischen „Arisierung“ gezwungen, sein Unternehmen zu verkaufen. Käufer war das NSDAP-Mitglied Josef Neckermann. Obwohl das Unternehmen mehr als 11 Millionen Reichsmark wert war, sollte Karl Joel lediglich etwa 2,3 Millionen Reichsmark erhalten. Dieses Geld wurde jedoch auf ein Treuhandkonto eingezahlt, auf das er keinen Zugriff hatte. Die Familie erhielt daher praktisch keinen finanziellen Ausgleich für den Verlust ihres Lebenswerks.
Die Verfolgung traf nicht nur Karl Joel selbst, sondern auch seine Familie. Sein Sohn Helmut Joel, der spätere Vater von Billy Joel, war zehn Jahre alt, als Hitler an die Macht kam. Die Familie lebte in Nürnberg in der Nähe des Luitpoldhains, wo die Nationalsozialisten ihre großen Parteiveranstaltungen abhielten. Helmut musste miterleben, wie jüdische Kinder aus Schulen ausgeschlossen wurden, Rechte verloren gingen und antisemitische Hetze zum Alltag wurde. Die Familie erkannte schließlich, dass ein Leben in Deutschland nicht mehr möglich war.
Karl Joel, seine Frau Meta und ihre Familie flohen zunächst in die Schweiz. Von dort führte ihr Weg über Frankreich, England und Kuba schließlich in die Vereinigten Staaten. Auf der Flucht kam es zum letzten Treffen mit Karl Joels Bruder Leon Joel, der Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Ansbach war. Leon musste, da er keine Einreiseerlaubnis erhielt, nach Europa zurückkehren und wurde später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet.
In den USA begannen Karl Joel und seine Familie praktisch bei null. Sie änderten ihre Vornamen in Carl und Howard Joel und versuchten, sich neue Existenzen aufzubauen.
Währenddessen nutzte Josef Neckermann die übernommenen Unternehmensstrukturen weiter. Bereits 1939 produzierte er gemeinsam mit Hertie-Chef Georg Karg Winteruniformen für die Wehrmacht und profitierte von umfangreichen staatlichen Aufträgen. 1941 stieg Neckermann zum stellvertretenden „Reichsbeauftragten für Kleidung“ auf. In dieser Funktion organisierte er maßgeblich die Beschaffung von Kleidung für Zwangsarbeiter, für Insassen der Konzentrationslager sowie Uniformen für die Wehrmacht. Trotz seiner enormen wirtschaftlichen und persönlichen Verbindungen und Beziehungen zu den Größen der NSDAP und des Machtapparates der Nationalsozialisten war Neckermann selbst zeitlebens frei von jedem Schuldbewusstsein. „Man lebe nun ‚mal nicht in einem Geschichtsbuch“ lautete sein Kommentar zur eigenen Rolle in der NS-Zeit, und er bereue nichts.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Karl Joel mehrmals nach Deutschland zurück und kämpfte für eine Entschädigung für den Verlust seines Unternehmens. Der Rechtsstreit zog sich über viele Jahre hin. Erst 1959 kam es zu einem Vergleich, bei dem Karl Joel eine Entschädigungszahlung von zwei Millionen D-Mark von Neckermann erhielt. Zu diesem Zeitpunkt war Josef Neckermann bereits dabei, den Grundstein für den späteren Neckermann-Versand zu legen, der in den 1950er- und 1960er-Jahren zu einem Symbol des deutschen Wirtschaftswunders wurde.
Karl Amson Joels Lebensgeschichte steht beispielhaft für das Schicksal vieler jüdischer Unternehmer im Nationalsozialismus. Sie zeigt, wie erfolgreiche jüdische Existenzen durch Entrechtung, Enteignung und Vertreibung zerstört wurden. Gleichzeitig erinnert sie daran, dass hinter bekannten Firmennamen und wirtschaftlichen Erfolgen oft persönliche Schicksale jüdischer Familien und deren Verlust, Flucht oder Vernichtung stehen. Durch Karls Enkel Billy wirkt die Geschichte der Familie Joel bis heute nach und bleibt ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur in Deutschland und den USA.
